Wordpress.com ist ein geniales Tool: Mit ein paar Klicks hat jedermann ein Konto schnell eröffnet, ein paar Bilder hochgeladen und ist sofort bereit zum Niederschreiben von Gedanken oder politischen Kommentaren, von Berichten über neue Software-Tools oder Reportagen der letzten Reise, garniert mit Fotos und Videos.
Standardmäßig ist der RSS-Export dabei, so dass Beiträge auch auf Facebook oder Twitter erscheinen. Und mit Dutzenden kostenfreien Layouts ist ein professioneller Auftritt möglich. Genial und kostenfrei. Denn als Nutzer muss man sich nicht um Software-Aktualisierungen oder das Hosting kümmern. Man legt los und hat in 20 Minuten ansehnliche Ergebnisse.
Seit Frühjahr 2010 betreibe ich ralfkothe.wordpress.com: Ein wenig Computer-Kram, die Statistik zu meiner Solaranlage und ein Blick auf die Kommunalpolitik gehören zu meinem Portfolio (Bild oben: ein Screenshot vom Mai 2010). Parallel habe ich die Domain ralf-kothe.de vorgehalten, ohne bislang die eigentlich wenigen Handgriffe vorzunehmen, um WordPress auch unter der eigenen Domain als Homepage zu nutzen.
Zunehmend störte mich an WordPress.com die geringe Flexibilität. Die Design-Auswahl ist auf jene bei WordPress gehosteten Layouts begrenzt. Das Einloggen auf der Server-Farm im fernen Amerika nahm immer mehr Zeit in Beschlag. Beiträge, wie die Ankündigungen zu Sitzungen der Gemeindevertretung Brieselang oder Änderungen im Zugfahrplan poste ich parallel auf meiner Homepage sowie bei der CDU Brieselang. Da ich für das Parteiangebot auf WordPress als frei gehostetes Paket setze, konnte ich direkt vergleichen: das Hosting auf „eigenem“ Server steht sekundenschnell zur Verfügung, WordPress.com dauerte vermutlich je nach Traffikaufkommen in den USA manchmal mehrere Minuten.
Deshalb wollte ich längst mein eigenes WordPress-Paket als aktuelle Homepage nutzen. Am Morgen zwei nach Weihnachten entschied ich spontan beim Frühstück: „Jetzt oder nie!“ Dies ist ein Kurzprotokoll für Interessierte.
Zehn Uhr: Erste Station ist Themeforest.net für die Auswahl eines geeigneten Layouts. Die Gestaltung von Botschaften wird immer wichtiger, wenn man wahrgenommen werden will. Seit Monaten verfolge ich die von professionellen Layoutern auf der ganzen Welt gestalteten Themes für WordPress. Gerade weil ich schon seit 1997 Webseiten erstelle und pflege weiß ich, dass Andere das Gestalten besser erledigen können. Mittels Themeforest kauft man ein komplettes Layout inklusive der Funktionen und notwendigen Gestaltungselemente und spart sich damit die Suche oder das leidige Erstellen eigener Hintergründe, Schriften oder Buttons.
Ich suchte kreative Stile: Ohne massiven Bildereinsatz geht heute nichts mehr. Neuerdings sind ganzseitige Fotohintergründe „in“, Bildergalerien und eingebundene Videos sowie Bilder, die in eigenen Leuchttisch-Fenstern begutachtet werden können. Ganz neu ist responsives Layout, das je nach Breite des Fensters im Layout oder je nach benutztem Gerät die Breite und die Anzahl von Spalten selbst anpasst (sehr gelungenes Beispiel: Theme Airlock unbedingt ansehen und Fensterbreite des Browsers verändern!). Die Auswahl ist groß. Die Auswahl fällt schwer. Was will ich?
Letztlich ziehe ich drei Designs in die engere Auswahl (Broadside, DK und ShowyCase). Ich entscheide mich aus dem Bauch für das zuletzt veröffentlichte ShowyCase im traditionellen und wieder modernen 3-Spalten-Satz. Modern, minimalistisch, flexibel im Umgang mit Bildern ohne den Zwang immerzu Bilder einsetzen zu müssen. Schließlich geht es bei mir meist um politische Themen, also Texte. Deshalb entscheide ich mich für das zurückhaltende Layout.
Die Bezahlung erfolgt über PayPal. Sofort erhält man Zugang zum Download. Auf die Festplatte kommen das Design selbst sowie eine Dokumentation.
11:30 Uhr: Ich suche die Passwörter für den Zugang bei meinem Provider.
Dort ist eine alte WordPress-Version von Frühjahr 2010 im Einsatz. Meine Entscheidung: Ich werde zuerst die neueste Version 3.3 einsetzen. Dazu muss ich upgraden. Die in WP eingebaute Upgrade-Funktion erzeugt eine Fehlermeldung. Es hätte ja einfach sein können! Da ich aber sowieso meine Daten von WordPress.com übernehmen will, wäre ein frisches Paket wünschenswert. Der Weg: Datenbank leeren, alle WordPress-Dateien löschen, WordPress 3.3 aufspielen und auf dem Server installieren und dabei eine neue Datenbank erstellen.
Bei WordPress.org oder wordpress-deutschland.de steht die aktuelle Version zum Download. Anschließend sichere ich die Daten des alten Pakets (Export der Artikel mittels XML sowie Kopie der SQL-Datenbank), obwohl bei WordPress.com die aktuellen Artikel und Fotos liegen. Auch dort exportiere ich die Daten aller Artikel als XML, um sie später in meinem Paket weiter zu benutzen.
Nach der Mittagspause logge ich mich bei der Server-Oberfläche Confixx ein, wechsle zu PHP-MyAdmin und lösche die Datenbank und erzeuge sofort eine neue. Mit dem neuen Passwort und weiteren Sichereitscodex‘ ändere ich ich die Config-Datei im heruntergeladenen WP 3.3-Paket. Dieses personalisierte Paket lade ich mittels FTP auf meinen Server, nachdem ich dort die alten WP-Dateien gelöscht habe.
Der Installationsbefehl erzeugt eine neue Fehlermeldung. Die PHP-Version auf dem Server meines Providers entspricht nicht der aktuellen WordPress-Anforderung. Oh, jetzt wird es schwierig. Es ist inzwischen 16 Uhr. Ob ich den Kundendienst noch erreiche?
Die Mail mit der präzisen Frage ist abgeschickt, parallel google ich. Der Kundendienst von Revido in Dresden ist fast so schnell wie meine Google-Abfrage: Ich muss mittels .htaccess den Aufruf von PHP 5 erzwingen (FAQ-Seite).
Dies ist schnell gemacht, aber ich stehe vor einer neuen Hürde: Der Speicher reicht nicht. Google bietet zwei Tutorials. Mittels .htaccess steht eine Tür offen. Versuch 1 scheitert. Frank Bültges Rat klappt.
Nach der Installation von WordPress 3.3 prüfe ich die Serverfunktionalität, denn je nach Provider gibt es dort unter Umständen Einschränkungen. Doch wenn die „sprechenden Adressen“ — also „url.de/2011/12/titel-des-textes/“ statt „url.de/p?=1655“ — funktionieren, ist alles prima und die Google-Suche freut sich. Dies klappt.
Jetzt noch schnell die Benutzerrechte geordnet. Einige Grundeinstellungen sind vorzunehmen. Fertig. Oh, es ist fast 20 Uhr. Schluss für heute.
Tag 2 beginnt mit dem Import der XML-Datei mit den Artikeln von WordPress.com. Dafür gibt es ein Plugin der WordPress-Schmiede. Ja, es funktioniert. Doch der Import stoppt bei den Artikeln im Herbst 2010. Die Texte seitdem fehlen. Das Ganze noch einmal. Diesmal wird nur ein Artikel importiert.
Google weist den Weg zu einem englischsprachigen Forum, das genau diesen Fehler beschreibt. Die Lösung soll eine Änderung im PHP-Befehl set_time ermöglichen. Stimmt. Im nächsten Anlauf werden alle Artikel übernommen. Sogar die Bilder werden automatisch von WordPress.com heruntergeladen und mit dem gleichen Zeitstempel in meinem Paket eingruppiert. Leider bleiben die internen Links und die URL der eingebundenen Bilder der neu eingestellten Texte auf WordPress.com verlinkt.
Dafür könnte man vor dem Import die XML-Datei mittels Suchen / Ersetzen überarbeiten. Ich wähle den etwas komplizierteren Weg: Nach der Mittagspause nehme ich mir jede Datei der letzten Monate einzeln vor. Denn die Form der Präsentation der Bilder variiert bei dem Theme im Gegensatz zur „normalen“ Verwendung von Bildern in WordPress. Es kann ein „Titelbild“ gewählt werden, das über dem Text erscheint. Deshalb öffne ich die Beiträge, um die Bilder neu zu bestimmen.
Diese Bearbeitung der einzelnen Dateien dauert den ganzen Tag und auch noch den nächsten. Zwar bin ich dann nicht mit allen 325 Artikeln durchgekommen, doch funktioniert meine Homepage.
Letzte Handgriffe am dritten Tag: Für die Kontakt-Seite hole ich mir eine Google-Map-API. Ich setze meine Facebook-Daten und die RSS-Adresse in die Optionsseite ein.
Was nach 3 Tagen zwingend zu tun bleibt:
1) Trotz deutscher Sprachdatei heißt es noch „Search“ statt „Suche“, „Related Post“ statt „Ähnliche Texte“ und „Category Archives“ statt „Themenüberblick“. Ein wenig Nachhilfe in Deutsch bleibt nötig. Das heißt Anpassen der originalen PHP-Dateien.
2) Das Menü fehlt noch.
3) Die ansprechende Präsentation von Bildern in dem Theme will ich nutzen. Für das Portfolio werde ich jeweils einige Bilder aus Brieselang, vom Reichstag, aus Taiwan, Istanbul, den USA und Zypern auswählen, zuschneiden und veröffentlichen.
Es wird manches zu tun bleiben und manches sich auf www.ralf-kothe.de entwickeln.
Die letzten Tage eines Jahres nennt man auch die „zwischen den Jahren“. Das alte Jahr ist zwar noch nicht vorbei — doch nach Weihnachten haben wir meist (für viele zumindest arbeitstechnisch) damit abgeschlossen — und das neue hat noch nicht begonnen. Ich habe die Zeit zwischen den Jahren 2011 / 2012 nicht nur für die „12 Tage Geschenke“-Aktion bei Apple genutzt, weil ich nicht weiß, wann ich mal wieder drei Tage am Stück eine Auszeit von allem anderen nehmen kann.
Das neue Jahr starte ich so digital im neuen Gewand. Es fühlt sich gut an.





